Psychologische Praxis
Dr. phil. Andreas Leuenberger

Bern und Thun, Telefon 031 332 17 67

Rituale für das innere Kind
In einem Workshop hat eine Teilnehmerin sich und ihr inneres kleines Kind in weissem Lehm geformt. In der Lehmfigur hält sie ihr inneres Kind liebevoll in ihren Armen. Die Tiere an ihrer Seite symbolisieren Teile ihrer Persönlichkeit: die Schildkröte ist ihre ängstliche Seite, die hervorkommt, wenn sie Herausforderungen vermeidet; die Spinne steht für ihre mutige Seite, mit der sie sich wenn nötig auch wehren und abgrenzen kann. In einer Imagination, einer geführten Reise in die innere Bilderwelt, ist sie dem weisen und bescheidenen König begegnet, der ihr auf ihre wichtigen Fragen eine wertvolle Antwort gibt und ihr als innerer Beistand nahe steht. Mit all diesen Figuren tritt die Frau in ihrem Ritual ihrer verstorbenen Grossmutter gegenüber. Die Grossmutter-Puppe steht jenseits der Grenze. Sie war für sie als Kind ein sehr wichtiger Mensch. Nach 50 Jahren spricht die Frau wieder zu ihr und dankt ihr. So sammelt sie im Ritual viele ihrer stärksten Ressourcen und bündelt sie wie ein Lichtstrahl vom inneren Kind bis zum Tod, der sich als Schwelle, aber nicht als ein Ende zeigt.

In einer Imagination wandert eine Teilnehmerin mit dem kleinen Mädchen, das sie einmal war, einem Fluss entlang zurück bis zu seiner Quelle. Dort fliegt von den Bergen her eine uralte Adlermutter auf sie beide zu und gibt dem kleinen Mädchen eine goldene Kugel. Diese Adlermutter entsteht danach als Puppe mit viel Schwarz und Blau. Die Frau sehnt sich tief innen nach ihren Eltern, die sie schon als Kind verloren hat. In einer Aufstellung fliegt die Adlerpuppe zwischen den Eltern und der Frau hin und her. Diese spürt den Wunsch, sich nun auf ihrem Schiff in ihr eigenes Leben hinauszuwagen. So steht der Hase, sie selbst, auf seinem Boot, bereit zur Fahrt, und die Adlermutter ist dabei als weise Führerin.Ein Mann fühlt sich tiefgreifend unsicher. Er glaubt fest, dass andere Menschen ihn als komisch und minderwertig beurteilen. Deshalb geht er in seiner Freizeit kaum aus dem Haus und hat keine nähere Beziehung zu einer Frau. Die Botschaft, er sei ungenügend und minderwertig, hat er seit seiner Kindheit verinnerlicht. In der Therapie erkennt er langsam, dass er nicht von Natur aus minderwertig ist. Er erkennt, dass er nur dann auf Andere komisch wirkt, wenn er glaubt, minderwertig zu sein. Als Hausaufgabe führt er abends folgendes Ritual durch: den Teil von sich, der über ihn so schlecht urteilt, setzt er aus sich heraus auf einen Stuhl. Die Verinnerlichung macht er rückgängig. Mit dem kleinen Bub in sich, den er als Puppe an seiner Brust hält, geht er seinen Weg und spricht mit dem verachtenden Teil auf dem Stuhl. Er sagt ihm zum Beispiel: "Ich habe Dich verinnerlicht. Ich wirke nur komisch auf Andere, wenn ich an Deine verachtenden Worte glaube. Du gehörst nicht zu mir. Ich setze Dich jetzt aus mir heraus..." Und er spricht zum kleinen Buben, erklärt ihm, dass diese abwertende Botschaft nicht stimmt, sagt ihm, wie gut und wertvoll er ist, und erzählt ihm, was sie jetzt unternehmen werden, um erfüllter zu leben.